IBCS® und die HICHERT®SUCCESS-Regeln: Herkunft, Regeln, Grenzen
IBCS (International Business Communication Standards) ist ein frei veröffentlichtes Regelwerk für Berichte, Präsentationen und Dashboards: Es legt fest, wie Diagramme und Tabellen aufgebaut sind und was Formen und Farben bedeuten. Hervorgegangen ist es aus den SUCCESS-Regeln von Rolf Hichert; seit Juni 2026 ist sein Notationsteil als ISO 24896 eine internationale Norm. Dieser Beitrag erklärt, woher die Regeln kommen, was sie verlangen und wo ihre Grenzen liegen.
Wie sind die SUCCESS-Regeln entstanden?
Die SUCCESS-Regeln stammen von Rolf Hichert, einem Maschinenbauingenieur, Berater und Hochschulprofessor. Er bündelte seine Erfahrung mit Geschäftsberichten zu sieben Regelgruppen und lehrte sie ab 2004 mit seinem Unternehmen HICHERT+PARTNER. 2013 übertrug er große Teile davon an die neu gegründete, nicht gewinnorientierte IBCS Association, die sie seitdem als offenen Standard weiterentwickelt.
Hichert studierte Maschinenbau in Stuttgart, arbeitete am Fraunhofer IPA und danach als Berater bei McKinsey & Co. in Düsseldorf. Anschließend lehrte er als Professor an der Hochschule in Konstanz. Mitte der 1980er Jahre gründete er mit anderen die MIK GmbH in Konstanz, ein Softwareunternehmen, das sich mit der Darstellung von Unternehmensdaten befasste. 2004 folgte HICHERT+PARTNER, das heute als IBCS Institute Schulungen und Zertifizierungen anbietet.
Der entscheidende Schritt war 2013: Hichert gab seine Regeln aus der Hand und stellte sie unter eine Creative-Commons-Lizenz. Die Satzung der IBCS Association trägt das Datum 1. September 2013. Am 18. Juni 2015 empfahl ihre Mitgliederversammlung in Amsterdam einstimmig die Veröffentlichung der Version 1.0; es folgten Version 1.1 im Jahr 2017 und 1.2 im Jahr 2021. Die Mitgliedschaft ist kostenlos.
Was bedeuten die sieben SUCCESS-Regeln?
SUCCESS ist ein Akronym aus sieben englischen Verben: SAY, UNIFY, CONDENSE, CHECK, EXPRESS, SIMPLIFY und STRUCTURE. Jedes steht für eine Gruppe von Regeln, von der Botschaft eines Berichts über seine einheitliche Notation bis zur Gliederung. Die Kurzbeschreibungen unten fassen den Gedanken jeder Gruppe in eigenen Worten zusammen.
SAY — eine Botschaft haben
Ein Bericht soll eine Aussage treffen, nicht nur Zahlen ablegen. Die Botschaft steht deshalb ausdrücklich da, etwa im Titel einer Seite.
UNIFY — einheitlich bezeichnen
Gleiches sieht gleich aus: Ist, Plan, Vorjahr und Prognose, Abweichungen und Maßeinheiten haben im ganzen Unternehmen dieselbe Darstellung.
CONDENSE — verdichten
Mehr Information auf einer Seite statt vieler halbleerer Folien, damit Zusammenhänge im Blick bleiben.
CHECK — ehrlich darstellen
Keine abgeschnittenen Achsen, keine wechselnden Maßstäbe, keine Darstellung, die Größenverhältnisse verzerrt.
EXPRESS — passend darstellen
Die Diagrammart folgt der Frage: Verlauf, Vergleich oder Zusammensetzung brauchen jeweils eine andere Form.
SIMPLIFY — vereinfachen
Weg mit allem, was nichts aussagt: Schatten, 3D-Effekte, Hintergrundbilder, überflüssige Rahmen.
STRUCTURE — gliedern
Inhalte folgen einer nachvollziehbaren Ordnung, die sich nicht überschneidet und nichts auslässt.
Wie sieht die Szenario-Notation aus?
Das bekannteste Element ist die Kennzeichnung der Szenarien: Ist-Werte erscheinen kräftig gefüllt, Vorjahreswerte abgeschwächt gefüllt, Planwerte nur als Umriss und Prognosen umrandet mit Schraffur. Wer die Regel kennt, sieht einer Säule an, ob sie gemessene, geplante oder erwartete Zahlen zeigt, ohne die Legende zu lesen.
Die Logik dahinter: Gemessene Zahlen sind „fest“ und bekommen eine Füllung. Geplante Zahlen sind gedacht, nicht gemessen, und bleiben hohl; sie füllen sich, sobald die Ist-Werte vorliegen. Eine Prognose liegt dazwischen: Sie ist erwartet, beruht aber auf gemessenen Daten, und zeigt das mit der Schraffur. Dasselbe Prinzip gilt für Abweichungen, Maßeinheiten und Beschriftungen — die Einheitlichkeit ist der eigentliche Kern von UNIFY. Wie sich eine Abweichung vom Plan oder Vorjahr in ihre Einzelbeiträge zerlegen und darstellen lässt, erklärt der Beitrag Wasserfalldiagramm: Aufbau, Einsatz und typische Fehler.
Was hat IBCS mit ISO 24896 zu tun?
ISO 24896:2026 „Notation for business reporting“ wurde am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Die Norm überträgt den Notationsteil von IBCS in eine internationale Norm: einheitliche Bezeichnung von Inhalten, Aufbau von Diagrammen und Tabellen und Darstellung von Werten in Berichten, Präsentationen und Dashboards.
Erarbeitet wurde sie im Technischen Komitee ISO/TC 37 (Arbeitsgruppe WG 11), dort im Juli 2024 als Vorhaben registriert. Die IBCS Association wirkte als Verbindungsorganisation mit; der Entwurf beruhte auf ihren Vorschlägen, vor allem den Teilen UNIFY und CHECK. Am 11. Juni 2026, dem Tag der Veröffentlichung, verabschiedete die Association die IBCS-Version 2.0, die ihre Regeln neu in einen Notations- und einen Gestaltungsteil (Notation und Composition) gliedert. Der Notationsteil ist an die Norm angeglichen.
Für die Praxis heißt das: Die Notation ist nicht mehr nur Empfehlung eines Vereins, sondern auf eine Norm gestützt. Die Gestaltungsregeln — Botschaft, Verdichtung, Gliederung — bleiben Teil von IBCS.
Wo liegen die Grenzen?
Die Regeln entfalten ihren Nutzen erst, wenn ein ganzes Unternehmen sie einheitlich anwendet; ein einzelner Bericht in dieser Notation bleibt eine Insel. Außerdem sind sie für erklärende Berichte gedacht, weniger für freies Erkunden von Daten. Die folgenden Punkte sind unsere Einschätzung aus der Berichtspraxis, keine Wiedergabe fremder Kritik.
- Einheitlichkeit kostet Abstimmung. Wer Szenarien, Farben und Bezeichnungen vereinheitlicht, muss sich mit Controlling, Fachbereichen und oft der Unternehmenskommunikation einigen — das ist der größere Teil der Arbeit, nicht das Zeichnen.
- Corporate Design gegen Bedeutung. In dieser Notation tragen Farben eine Bedeutung, etwa für gute und schlechte Abweichungen. Hausfarben, die überall dekorativ eingesetzt werden, passen dazu nicht immer.
- Erklären, nicht erkunden. Die Regeln zielen auf Berichte, die eine Botschaft übermitteln. Wer Daten frei durchsucht, um überhaupt erst eine Frage zu finden, braucht andere Werkzeuge und darf dabei auch unordentlicher arbeiten.
- Verdichtung braucht geübte Leser. Viele Zahlen auf einer Seite sind für Geübte ein Gewinn. Wer die Notation nicht kennt, braucht anfangs Erklärung.
- Die Norm ist jung. ISO 24896 ist seit Juni 2026 veröffentlicht. Erfahrungen, wie sie in Unternehmen und Software umgesetzt wird, sammeln sich gerade erst.
Häufige Fragen
- Was bedeutet SUCCESS bei IBCS? SUCCESS ist ein Akronym aus sieben Regelgruppen: SAY (Botschaft), UNIFY (einheitliche Notation), CONDENSE (verdichten), CHECK (ehrlich darstellen), EXPRESS (passend darstellen), SIMPLIFY (vereinfachen) und STRUCTURE (gliedern). Die Formel geht auf Rolf Hichert zurück und bildet die Grundlage der IBCS-Standards.
- Darf man die IBCS-Regeln kostenlos nutzen? Die IBCS Association veröffentlicht die Standards unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA), und die Mitgliedschaft in der Association ist kostenlos. Die Namen IBCS und HICHERT sind dagegen Marken; wer sie für eigene Produkte verwenden will, muss deren Rechte beachten.
- Was ist der Unterschied zwischen IBCS und ISO 24896? ISO 24896:2026 ist eine internationale Norm für die Notation von Geschäftsberichten. Sie beruht auf dem Notationsteil von IBCS. IBCS umfasst darüber hinaus Regeln zur Gestaltung, etwa zu Botschaft, Verdichtung und Gliederung.
- Wer steht hinter IBCS? Die Standards pflegt die IBCS Association, eine nicht gewinnorientierte Vereinigung, an die Rolf Hichert 2013 große Teile seines geistigen Eigentums übertragen hat. Schulungen und Zertifizierungen bietet das IBCS Institute an, das aus dem 2004 gegründeten Unternehmen HICHERT+PARTNER hervorgegangen ist.
- Seit wann gibt es die IBCS-Standards? Die Version 1.0 wurde am 18. Juni 2015 zur Veröffentlichung empfohlen. Es folgten die Versionen 1.1 (2017), 1.2 (2021) und am 11. Juni 2026 die Version 2.0, die an die Norm ISO 24896 angeglichen ist.
Quellen
- IBCS: Rolf Hichert (Werdegang)
- IBCS Association (Satzung, Mitgliedschaft)
- IBCS Standards Version 2.0
- Pressemitteilung zur Veröffentlichung von ISO 24896
- Wikipedia: International Business Communication Standards (Versionen, Lizenz, ISO-Vorhaben 2024)
Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026. Die Abbildungen sind eigene Skizzen.
Text: Frank Glück, glueck.it. Stand: 16.10.2026. HICHERT® und IBCS® sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Databula steht in keiner Verbindung zu ihnen und ist nicht IBCS-zertifiziert. Zurück zum Seitenanfang