Welches Diagramm passt zu welcher Frage?

Die passende Diagrammart ergibt sich aus der Frage, die die Zahlen beantworten sollen, nicht aus dem Angebot eines Werkzeugs: Wer Kategorien vergleichen will, braucht Balken, wer eine Entwicklung zeigen will, eine Linie, wer Anteile zeigen will, wenige Teile eines Ganzen. Dieser Beitrag ordnet die gängigen Diagrammarten den Fragen zu, zeigt vier davon an Beispielen und nennt typische Fehler bei der Auswahl.

Zuordnung auf einen Blick

Für jede Grundfrage gibt es eine bewährte Diagrammart: Vergleich von Kategorien mit Balken oder Säulen, Entwicklung über die Zeit mit einer Linie, Anteile am Ganzen mit einem Kreis oder gestapelten Balken, Zusammenhang zweier Größen mit einem Streudiagramm, Verteilung einzelner Werte mit einem Histogramm oder Boxplot, Veränderung zwischen zwei Werten mit einem Wasserfall, Mengenflüsse mit einem Sankey-Diagramm. Die Zuordnung folgt den Beschreibungen der Diagrammarten in der Wikipedia, mit Ausnahme von Wasserfall und Verbunddiagramm, die dort nicht als eigene Fälle beschrieben sind. Die Kreis-Regel stammt aus der Wikipedia; Sortierung und Achsenregeln der Tabelle sind unsere Einschätzung.

Frage, Diagrammart und Faustregel im Überblick
FrageDiagrammartFaustregel
Wie unterscheiden sich Kategorien?Balken oder SäulenNach Größe sortieren, Achse bei null
Wie entwickelt sich ein Wert über die Zeit?LinieBei wenigen Zeitpunkten auch Säulen
Wie verteilt sich ein Ganzes auf Teile?Kreis oder gestapelter BalkenKreis: eine Datenreihe, höchstens sieben Teile
Hängen zwei Größen zusammen?Streudiagramm, bei einer dritten Größe BlasendiagrammPunkte statt Linien, Achsen mit Titel
Wie verteilen sich einzelne Werte?Histogramm, BoxplotHäufigkeiten bzw. Median und Quartile
Wodurch hat sich ein Wert verändert?WasserfallSummenbalken auf null, siehe Wasserfalldiagramm
Wohin fließen Mengen?Sankey-DiagrammPfeilbreite proportional zur Menge

Vergleich: Balken oder Säulen

Balken und Säulen vergleichen Kategorien, die keine feste Reihenfolge haben, etwa Regionen, Produkte oder Filialen. Die Länge zeigt den Wert, deshalb beginnt die Achse bei null. Nach der Wikipedia eignen sich Säulen für bis zu etwa 15 Kategorien; Balken, bei denen die Achsen vertauscht sind, dienen für größere Datenmengen und Ranglisten.

050100150200250300350NordSüdWestOstMitteUmsatz (Tsd. €)312285244198131
Abbildung 1: Umsatz nach Region, absteigend sortiert, mit frei gewählten Zahlen, erzeugt mit Databula Reporting. Die Werte stehen in der Tabelle darunter.
Zahlen zu Abbildung 1 (Umsatz in Tausend Euro, frei gewählt)
RegionUmsatz
Nord312
Süd285
West244
Ost198
Mitte131

Unsere Empfehlung: Sortieren Sie nach Größe, wenn die Kategorien keine natürliche Reihenfolge haben. Dann liest sich das Diagramm als Rangfolge, und der größte und der kleinste Wert fallen sofort auf. Eine natürliche Reihenfolge, etwa Altersgruppen, bleibt dagegen erhalten. Bei langen Beschriftungen sind waagerechte Balken meist besser lesbar als Säulen.

Entwicklung: Linie

Eine Linie zeigt, wie sich ein Wert über die Zeit entwickelt: Nach der Wikipedia stellt ein Liniendiagramm Veränderungen und Entwicklungen dar, etwa innerhalb eines Zeitabschnitts. Unsere Einschätzung: Mehrere Linien im selben Diagramm erlauben den Vergleich, etwa von aktuellem Jahr und Vorjahr, wie in Abbildung 2.

150200250300350JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezUmsatz (Tsd. €)VorjahrIst
Abbildung 2: Monatsumsatz im Vergleich zum Vorjahr (Ist durchgezogen, Vorjahr gestrichelt), mit frei gewählten Zahlen, erzeugt mit Databula Reporting. Die Werte stehen in der Tabelle darunter.
Zahlen zu Abbildung 2 (Monatsumsatz in Tausend Euro, frei gewählt)
MonatVorjahrIst
Jan210218
Feb205214
Mär220231
Apr230242
Mai240258
Jun255271
Jul250265
Aug245259
Sep260278
Okt270292
Nov285310
Dez300322

Anders als bei Balken muss die Achse einer Linie nicht bei null beginnen; Abbildung 2 beginnt bei 150, damit der Verlauf sichtbar bleibt. Das ist unsere Einschätzung: Bei einer Linie zeigt die Steigung die Entwicklung, nicht die Länge. Bei wenigen Zeitpunkten sind Säulen oft klarer; nach der Wikipedia eignen sich Säulendiagramme für bis zu etwa 15 Ausprägungen, bei mehr geordneten Ausprägungen wird das Liniendiagramm bevorzugt. Gehören die Kategorien dagegen nicht in eine feste Reihenfolge, wie die Regionen in Abbildung 1, verbindet eine Linie Dinge, die nicht zusammengehören.

Anteile: Kreis nur mit wenigen Teilen

Ein Kreisdiagramm zeigt, wie sich ein Ganzes auf Teile verteilt. Nach der Wikipedia eignet es sich nur für eine Datenreihe ohne negative Werte und ohne Nullwerte; mehr als sieben Kategorien wirken verwirrend. Kleine Werte lassen sich in einer Sammelposition zusammenfassen.

Produkt A (46 %)Produkt B (29 %)Produkt C (17 %)Sonstige (8 %)
Abbildung 3: Umsatzanteile nach Produkt, nach Größe sortiert, mit frei gewählten Zahlen, erzeugt mit Databula Reporting. Die Werte stehen in der Tabelle darunter.
Zahlen zu Abbildung 3 (Umsatzanteil in Prozent, frei gewählt)
ProduktAnteil
Produkt A46
Produkt B29
Produkt C17
Sonstige8

Nach der Wikipedia nimmt die Übersichtlichkeit gewöhnlich zu, wenn die Segmente nach Größe im Uhrzeigersinn geordnet sind und das größte bei 12 Uhr beginnt; auf dreidimensionale Kreisdiagramme sollte man ganz verzichten. Unsere Einschätzung: Ein Kreis zeigt Anteile auf einen Blick, aber keine genauen Größenverhältnisse; wer Werte genau vergleichen will, nimmt einen Balken.

Zusammenhang: Streudiagramm

Ein Streudiagramm stellt Wertepaare zweier Merkmale als Punktwolke dar und zeigt, ob und wie die Merkmale zusammenhängen. Typische Muster sind Gruppen von Punkten oder eine lineare Struktur. Eine dritte Größe lässt sich über die Punktgröße ergänzen; das Diagramm heißt dann Blasendiagramm.

010203040506070510152025303540Werbeausgaben (Tsd. €)Neukunden
Abbildung 4: Werbeausgaben und Neukunden je Monat, mit frei gewählten Zahlen, erzeugt mit Databula Reporting. Die Werte stehen in der Tabelle darunter.
Zahlen zu Abbildung 4 (Werbeausgaben in Tausend Euro, Neukunden in Anzahl, frei gewählt)
MonatWerbeausgabenNeukunden
Jan514
Feb819
Mär1022
Apr1227
Mai1528
Jun1835
Jul2034
Aug2443
Sep2744
Okt3052
Nov3455
Dez3861

Ein Muster in der Punktwolke zeigt einen Zusammenhang, belegt aber noch keine Ursache: Steigen in Abbildung 4 Werbeausgaben und Neukunden gemeinsam, kann dahinter auch etwas Drittes stehen, etwa die Saison. Das ist unsere Einschätzung. Nach der Wikipedia eignen sich Streudiagramme im Allgemeinen für stetig verteilte Daten; bei diskreten Werten überlagern sich die Punkte, wenn gleiche Werte mehrfach vorkommen. In Abbildung 4 tritt das nicht auf, weil alle Werte verschieden sind.

Welche Fälle gibt es außerdem?

Neben den vier gezeigten Fällen gibt es Diagrammarten für die Veränderung zwischen zwei Werten, für Mengenflüsse, für die Verteilung einzelner Werte und für zwei Größen mit unterschiedlicher Einheit. Sie sind seltener nötig, aber für die jeweilige Frage oft die klarste Wahl.

  1. Veränderung zwischen zwei Werten. Ein Wasserfalldiagramm zerlegt sie in Einzelbeiträge. Aufbau, Einsatz und typische Fehler beschreibt der Beitrag Wasserfalldiagramm.
  2. Mengenflüsse. Ein Sankey-Diagramm zeigt Flüsse mit Pfeilen, deren Breite zur Menge proportional ist. Benannt ist es nach Matthew Henry Phineas Riall Sankey, der 1898 eine solche Darstellung für die Energieflüsse von Dampfmaschinen nutzte. Es bildet laut Wikipedia in der Regel Mengen einer Zeitperiode ab, keine Bestände.
  3. Verteilung einzelner Werte. Ein Histogramm zeigt die Häufigkeitsverteilung eines kardinal skalierten Merkmals; im Unterschied zum Säulendiagramm grenzen die Rechtecke aneinander. Ein Boxplot zeigt Median und Quartile und, je nach Definition der Antennen, auch Ausreißer; er eignet sich für den raschen Vergleich mehrerer Untergruppen. Beides beschreibt die Wikipedia.
  4. Zwei Größen mit unterschiedlicher Einheit. Ein Verbunddiagramm kombiniert etwa Säulen für den Umsatz mit einer Linie für die Marge. Unsere Einschätzung: Zwei Werteachsen sind schnell missverständlich; ohne klare Beschriftung beider Achsen sind zwei getrennte Diagramme meist ehrlicher.

Welche Fehler passieren bei der Auswahl?

Typische Fehler bei der Auswahl sind ein Kreisdiagramm mit zu vielen Teilen, eine dreidimensionale Darstellung, eine Linie für Kategorien ohne Reihenfolge und Balken ohne Nullpunkt. Alle vier erschweren das Lesen oder verzerren das Bild, statt die Frage zu beantworten, und lassen sich mit der Zuordnung oben vermeiden.

  • Kreis mit mehr als sieben Teilen. Er wirkt nach der Wikipedia verwirrend; kleine Werte gehören in eine Sammelposition.
  • 3D-Effekte. Unsere Einschätzung: Sie verzerren die Proportionen. Bei Kreisdiagrammen sollte man nach der Wikipedia ganz darauf verzichten.
  • Linie ohne Zeitreihe. Unsere Einschätzung: Eine Linie unterstellt eine Reihenfolge und einen Verlauf zwischen den Punkten, den es bei Kategorien nicht gibt.
  • Balken ohne Nullpunkt. Unsere Einschätzung: Wo die Länge den Wert zeigt, täuscht eine gekürzte Achse; der Beitrag Wasserfalldiagramm erläutert das am Beispiel der Summenbalken.

Häufige Fragen

  1. Welches Diagramm eignet sich für einen Vergleich? Für den Vergleich von Kategorien eignen sich Balken oder Säulen, am besten nach Größe sortiert und mit einer Achse, die bei null beginnt. Nach der Wikipedia passen Säulen für bis zu etwa 15 Kategorien. Unsere Einschätzung: Bei langen Beschriftungen sind waagerechte Balken meist besser lesbar.
  2. Welches Diagramm zeigt eine Entwicklung über die Zeit? Dafür eignet sich eine Linie, die Veränderungen im Zeitverlauf zeigt. Unsere Einschätzung: Bei nur wenigen Zeitpunkten sind Säulen oft klarer. Nach der Wikipedia wird bei mehr als etwa 15 geordneten Ausprägungen die Linie bevorzugt.
  3. Wann ist ein Kreisdiagramm sinnvoll? Ein Kreisdiagramm ist sinnvoll, wenn nur eine Datenreihe vorliegt, kein Wert negativ oder null ist und es höchstens sieben Kategorien gibt. Unsere Einschätzung: Bei mehr Teilen oder bei mehreren Datenreihen ist ein Balken die bessere Wahl.
  4. Wofür braucht man ein Streudiagramm? Ein Streudiagramm zeigt, ob zwei Merkmale zusammenhängen, indem es Wertepaare als Punktwolke darstellt. Eine dritte Größe lässt sich als Punktgröße ergänzen, dann spricht man von einem Blasendiagramm.
  5. Welches Diagramm zeigt, woher eine Veränderung kommt? Dafür eignet sich ein Wasserfalldiagramm, das die Veränderung zwischen zwei Werten in Einzelbeiträge zerlegt. Summenbalken beginnen dabei auf der Nulllinie.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026. Alle Abbildungen zeigen frei gewählte Zahlen.

Text: Frank Glück, glueck.it. Stand: 16.10.2026. Zurück zum Seitenanfang